Formel · Rechnungswesen & Bilanzkennzahlen
Gesamtkapitalrentabilität
Die Gesamtkapitalrentabilität gibt an, wie gut sich das gesamte eingesetzte Kapital verzinst hat — unabhängig davon, ob es Eigen- oder Fremdkapital ist.
(Jahresüberschuss + Fremdkapitalzinsen) ÷ Gesamtkapital × 100
FK-Zinsen werden addiert — misst die Verzinsung unabhängig von der Finanzierung.
Gesamtkapitalrentabilität berechnen: Beispiel und Rechner
Beispiel — gegeben: Jahresüberschuss 180.000,00 €, Fremdkapitalzinsen 140.000,00 €, Gesamtkapital 4.000.000,00 €.
Rechenweg
- Jahresüberschuss + Fremdkapitalzinsen: 180.000,00 € + 140.000,00 € = 320.000,00 €
- 320.000,00 € ÷ 4.000.000,00 € × 100 = 8 %
Ergebnis Gesamtkapitalrentabilität = 8 %
Typische Fehler bei Gesamtkapitalrentabilität
- Die Fremdkapitalzinsen nicht zum Jahresüberschuss addieren.
- Durch das Eigenkapital statt durch das Gesamtkapital teilen.
- Den Leverage-Effekt falsch herum deuten: Nur wenn die Gesamtkapitalrentabilität über dem Fremdkapitalzins liegt, steigert zusätzliches Fremdkapital die Eigenkapitalrentabilität.
Wo Gesamtkapitalrentabilität in der Prüfung vorkommt
Die Formel gehört zu Lernfeld 5: Wertströme buchhalterisch dokumentieren und auswerten und Lernfeld 10: Jahresabschluss vorbereiten, auswerten und für Finanzierungsentscheidungen nutzen. Geschäftsfälle buchhalterisch erfassen, Belege bearbeiten und die laufende Buchführung führen.
In der Abschlussprüfung gehört das zum Stoff von Lernfeld 5 (Teil 1) und Lernfeld 10 (Teil 2). Aufbau und Inhalte der Prüfungsbereiche: Abschlussprüfung Teil 1 · AP2 · Kaufm. Steuerung & Kontrolle.
Die Begriffe dazu
- Working Capital — Definition
- Working Capital = Umlaufvermögen − kurzfristige Verbindlichkeiten. Misst die kurzfristige Finanzkraft. Positives WC = Liquiditätspuffer. Working-Capital-Management ist Kernaufgabe des Controllings.
- FIFO vs. LIFO bei steigenden Preisen
- FIFO: Endbestand wird zu den jüngsten (höheren) Preisen bewertet → höherer Endbestand → höherer Gewinn → mehr Steuer. LIFO: alte (niedrige) Preise → niedrigerer Endbestand → niedrigerer Gewinn → weniger Steuer.
- Bestandteile des Jahresabschlusses
- Bilanz: Gegenüberstellung Vermögen (Aktiva) und Kapital/Schulden (Passiva). GuV: Erträge − Aufwendungen = Jahresüberschuss oder -fehlbetrag. Anhang und Lagebericht: für mittelgroße und große Kapitalgesellschaften Pflicht.
- Kapitalwertmethode
- KW = Summe (Einzahlungsüberschüsse / (1+i)^t) − Anschaffungsauszahlung. KW > 0: Investition lohnt (Rendite > Kalkulationszins). KW = 0: genau Kalkulationszins erwirtschaftet. KW < 0: nicht empfehlenswert. Vorteil: berücksichtigt Zeitwert des Geldes.
- Liquiditätsgrade (L1, L2, L3)
- L1 (Barliquidität): Zahlungsmittel / kurzfr. Verbindlichkeiten × 100, Richtwert ≥ 20 %. L2 (Einzugsliquidität): (ZM + Forderungen) / kfr. Verb., Richtwert ≥ 100 %. L3 (Umsatzliquidität): Umlaufvermögen / kfr. Verb., Richtwert ≥ 200 %.
Damit üben
Zu diesem Lernfeld liegen im Trainer 33 Aufgaben mit Musterlösung bereit — ein Ausschnitt:
- Vorratsbewertung nach dem FIFO-Verfahren
- Skonto: Bareinkaufspreis und Effektivzinssatz
- Pflichtangaben einer Rechnung nach UStG
- Kontierung Eingangsrechnung mit Vorsteuer
- Aufbewahrungsfristen für Rechnungen bestimmen
- Bilanzveränderung beim Zielkauf richtig zuordnen
- Inventurverfahren — Stichtag, permanent, Stichproben
- Buchungssatz: Wareneingang mit Skonto
Verwandte Formeln
- Eigenkapitalrentabilität
Jahresüberschuss ÷ Eigenkapital × 100 - Return on Investment (ROI)
Umsatzrentabilität × Kapitalumschlag = (Gewinn ÷ Umsatz) × (Umsatz ÷ Gesamtkapital) × 100 - Lineare Abschreibung (AfA)
Anschaffungs-/Herstellungskosten ÷ Nutzungsdauer - Anschaffungskosten (§ 255 HGB)
Anschaffungspreis − Minderungen + Anschaffungsnebenkosten - Eigenkapitalquote
Eigenkapital ÷ Gesamtkapital × 100 - Liquidität 2. Grades
(Zahlungsmittel + kurzfr. Forderungen) ÷ kurzfr. Verbindlichkeiten × 100 - Cashflow (indirekt, vereinfacht)
Jahresüberschuss + Abschreibungen + Erhöhung langfr. Rückstellungen - Verschuldungsgrad
Fremdkapital ÷ Eigenkapital × 100
Häufige Fragen
Wie lautet die Formel für Gesamtkapitalrentabilität?
Gesamtkapitalrentabilität: (Jahresüberschuss + Fremdkapitalzinsen) ÷ Gesamtkapital × 100 — FK-Zinsen werden addiert — misst die Verzinsung unabhängig von der Finanzierung.
Wie sieht ein Rechenbeispiel für Gesamtkapitalrentabilität aus?
Gegeben: Jahresüberschuss 180.000,00 €, Fremdkapitalzinsen 140.000,00 €, Gesamtkapital 4.000.000,00 €. Rechenweg: Jahresüberschuss + Fremdkapitalzinsen: 180.000,00 € + 140.000,00 € = 320.000,00 €; 320.000,00 € ÷ 4.000.000,00 € × 100 = 8 %. Ergebnis: Gesamtkapitalrentabilität = 8 %.
Welche Fehler passieren bei Gesamtkapitalrentabilität häufig?
Die Fremdkapitalzinsen nicht zum Jahresüberschuss addieren. Durch das Eigenkapital statt durch das Gesamtkapital teilen. Den Leverage-Effekt falsch herum deuten: Nur wenn die Gesamtkapitalrentabilität über dem Fremdkapitalzins liegt, steigert zusätzliches Fremdkapital die Eigenkapitalrentabilität.
In welchem Lernfeld kommt Gesamtkapitalrentabilität vor?
Die Formel gehört zu Lernfeld 5 „Wertströme buchhalterisch dokumentieren und auswerten“ (1. Ausbildungsjahr, Prüfungsbereich Teil 1) und Lernfeld 10 „Jahresabschluss vorbereiten, auswerten und für Finanzierungsentscheidungen nutzen“ (3. Ausbildungsjahr, Prüfungsbereich Teil 2).
Welche Formeln gehören noch zu Rechnungswesen & Bilanzkennzahlen?
Zum Bereich Rechnungswesen & Bilanzkennzahlen zählen außerdem: Lineare Abschreibung (AfA), Anschaffungskosten (§ 255 HGB), Eigenkapitalquote, Eigenkapitalrentabilität, Liquidität 2. Grades, Cashflow (indirekt, vereinfacht), Verschuldungsgrad, Anlagendeckungsgrad II (goldene Bilanzregel), Umsatzrentabilität, Return on Investment (ROI).
Rechnen statt nachschlagen
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