Formel · Rechnungswesen & Bilanzkennzahlen
Anlagendeckungsgrad II (goldene Bilanzregel)
Der Anlagendeckungsgrad II gibt an, zu wie viel Prozent das Anlagevermögen durch langfristiges Kapital — Eigenkapital plus langfristiges Fremdkapital — finanziert ist.
(Eigenkapital + langfr. Fremdkapital) ÷ Anlagevermögen × 100
≥ 100 % = Fristenkongruenz erfüllt (langfr. Vermögen langfr. finanziert).
Anlagendeckungsgrad II berechnen: Beispiel und Rechner
Beispiel — gegeben: Eigenkapital 1.200.000,00 €, Langfristiges Fremdkapital 1.500.000,00 €, Anlagevermögen 2.400.000,00 €.
Rechenweg
- Langfristiges Kapital: 1.200.000,00 € + 1.500.000,00 € = 2.700.000,00 €
- 2.700.000,00 € ÷ 2.400.000,00 € × 100 = 112,5 %
Ergebnis Anlagendeckungsgrad II = 112,5 %
Mindestens 100 %: Das Anlagevermögen ist langfristig finanziert — die goldene Bilanzregel ist erfüllt.
Typische Fehler bei Anlagendeckungsgrad II
- Kurzfristiges Fremdkapital mitzählen.
- Anlagendeckungsgrad I (nur Eigenkapital) und II verwechseln.
- Durch das Gesamtvermögen statt durch das Anlagevermögen teilen.
Richtwert: Wann ist der Wert gut?
Mindestens 100 %: Dann ist das langfristig gebundene Anlagevermögen auch langfristig finanziert — die goldene Bilanzregel (Fristenkongruenz) ist erfüllt. Unter 100 % wird ein Teil des Anlagevermögens mit kurzfristigem Geld bezahlt; wird ein kurzfristiger Kredit nicht verlängert, kann das zum Liquiditätsproblem werden. Über 100 % ist zusätzlich ein Teil des Umlaufvermögens langfristig finanziert.
Wo Anlagendeckungsgrad II in der Prüfung vorkommt
Die Formel gehört zu Lernfeld 5: Wertströme buchhalterisch dokumentieren und auswerten und Lernfeld 10: Jahresabschluss vorbereiten, auswerten und für Finanzierungsentscheidungen nutzen. Geschäftsfälle buchhalterisch erfassen, Belege bearbeiten und die laufende Buchführung führen.
In der Abschlussprüfung gehört das zum Stoff von Lernfeld 5 (Teil 1) und Lernfeld 10 (Teil 2). Aufbau und Inhalte der Prüfungsbereiche: Abschlussprüfung Teil 1 · AP2 · Kaufm. Steuerung & Kontrolle.
Die Begriffe dazu
- Goldene Bilanzregel
- Langfristiges Vermögen soll langfristig finanziert sein. Anlagedeckung I = EK / Anlagevermögen ≥ 100 %. Anlagedeckung II = (EK + langfristiges FK) / Anlagevermögen ≥ 100 %. Schutz vor Fristen-Inkongruenz.
- Finanzierungsarten — Überblick
- Eigenfinanzierung intern: Selbstfinanzierung (einbehaltener Gewinn), Abschreibungsrückflüsse. Eigenfinanzierung extern: Einlagen, Kapitalerhöhung. Fremdfinanzierung: kurzfristig (Kontokorrent, Lieferantenkredit), langfristig (Bankdarlehen, Anleihen).
- Bestandsveränderungen in der GuV (GKV)
- Gesamtkostenverfahren zeigt alle Periodenaufwendungen — auch für unverkaufte Stücke. Ausgleich über Position 'Bestandsveränderung': Bestandserhöhung wirkt wie Ertrag (+), Bestandsminderung wie Aufwand (−). Keine Umsatzerlöse!
- Degressive Abschreibung — Wechsel zur linearen
- Degressiv: fester Prozentsatz vom Restbuchwert (sinkende Beträge, Restwert nie 0). Wechsel zur linearen lohnt, sobald Restwert / Restnutzungsdauer > Restwert × Prozentsatz — jedes Jahr prüfen, dann linear bis 0 abschreiben.
- Kapitalwertmethode — Formel und Entscheidung
- C₀ = Σ (Einzahlungsüberschüsse / (1+i)^t) − Anschaffungsauszahlung. C₀ > 0: Investition verzinst sich über dem Kalkulationszins → vorteilhaft. C₀ < 0: ablehnen. Dynamisch, weil Zahlungszeitpunkte über Abzinsung berücksichtigt werden.
Damit üben
Zu diesem Lernfeld liegen im Trainer 33 Aufgaben mit Musterlösung bereit — ein Ausschnitt:
- Vorratsbewertung nach dem FIFO-Verfahren
- Skonto: Bareinkaufspreis und Effektivzinssatz
- Pflichtangaben einer Rechnung nach UStG
- Kontierung Eingangsrechnung mit Vorsteuer
- Aufbewahrungsfristen für Rechnungen bestimmen
- Bilanzveränderung beim Zielkauf richtig zuordnen
- Inventurverfahren — Stichtag, permanent, Stichproben
- Buchungssatz: Wareneingang mit Skonto
Verwandte Formeln
- Eigenkapitalquote
Eigenkapital ÷ Gesamtkapital × 100 - Liquidität 2. Grades
(Zahlungsmittel + kurzfr. Forderungen) ÷ kurzfr. Verbindlichkeiten × 100 - Verschuldungsgrad
Fremdkapital ÷ Eigenkapital × 100 - Lineare Abschreibung (AfA)
Anschaffungs-/Herstellungskosten ÷ Nutzungsdauer - Anschaffungskosten (§ 255 HGB)
Anschaffungspreis − Minderungen + Anschaffungsnebenkosten - Eigenkapitalrentabilität
Jahresüberschuss ÷ Eigenkapital × 100 - Gesamtkapitalrentabilität
(Jahresüberschuss + Fremdkapitalzinsen) ÷ Gesamtkapital × 100 - Cashflow (indirekt, vereinfacht)
Jahresüberschuss + Abschreibungen + Erhöhung langfr. Rückstellungen
Häufige Fragen
Wie lautet die Formel für Anlagendeckungsgrad II?
Anlagendeckungsgrad II (goldene Bilanzregel): (Eigenkapital + langfr. Fremdkapital) ÷ Anlagevermögen × 100 — ≥ 100 % = Fristenkongruenz erfüllt (langfr. Vermögen langfr. finanziert).
Wie sieht ein Rechenbeispiel für Anlagendeckungsgrad II aus?
Gegeben: Eigenkapital 1.200.000,00 €, Langfristiges Fremdkapital 1.500.000,00 €, Anlagevermögen 2.400.000,00 €. Rechenweg: Langfristiges Kapital: 1.200.000,00 € + 1.500.000,00 € = 2.700.000,00 €; 2.700.000,00 € ÷ 2.400.000,00 € × 100 = 112,5 %. Ergebnis: Anlagendeckungsgrad II = 112,5 %.
Welcher Wert gilt beim Anlagendeckungsgrad II als gut?
Mindestens 100 %: Dann ist das langfristig gebundene Anlagevermögen auch langfristig finanziert — die goldene Bilanzregel (Fristenkongruenz) ist erfüllt. Unter 100 % wird ein Teil des Anlagevermögens mit kurzfristigem Geld bezahlt; wird ein kurzfristiger Kredit nicht verlängert, kann das zum Liquiditätsproblem werden. Über 100 % ist zusätzlich ein Teil des Umlaufvermögens langfristig finanziert.
Welche Fehler passieren bei Anlagendeckungsgrad II häufig?
Kurzfristiges Fremdkapital mitzählen. Anlagendeckungsgrad I (nur Eigenkapital) und II verwechseln. Durch das Gesamtvermögen statt durch das Anlagevermögen teilen.
In welchem Lernfeld kommt Anlagendeckungsgrad II vor?
Die Formel gehört zu Lernfeld 5 „Wertströme buchhalterisch dokumentieren und auswerten“ (1. Ausbildungsjahr, Prüfungsbereich Teil 1) und Lernfeld 10 „Jahresabschluss vorbereiten, auswerten und für Finanzierungsentscheidungen nutzen“ (3. Ausbildungsjahr, Prüfungsbereich Teil 2).
Welche Formeln gehören noch zu Rechnungswesen & Bilanzkennzahlen?
Zum Bereich Rechnungswesen & Bilanzkennzahlen zählen außerdem: Lineare Abschreibung (AfA), Anschaffungskosten (§ 255 HGB), Eigenkapitalquote, Eigenkapitalrentabilität, Gesamtkapitalrentabilität, Liquidität 2. Grades, Cashflow (indirekt, vereinfacht), Verschuldungsgrad, Umsatzrentabilität, Return on Investment (ROI).
Rechnen statt nachschlagen
Eine Formel zu kennen ist das eine, sie unter Zeitdruck richtig anzuwenden das andere. Im Industriekaufmann Trainer übst du genau das — mit Aufgaben im Prüfungsformat, Musterlösungen und Simulationen mit IHK-Punktelogik. Der Einstieg ist kostenlos.
Kostenlos üben →